Wer mit wem? Paarungen besser planen mit dem Paarungsplan

In den letzten Wochen haben wir ein wichtiges Tool von Braunvieh Schweiz und swissherdbook rundum erneuert: den Paarungsplan. Im Mai konnten wir damit live gehen! Die Entwicklung dieses Tools hielt durchaus einige Herausforderungen bereit.

Was ist ein Paarungsplan?

Möchte ein Züchter seine Herde züchterisch verbessern, so muss er sich immer wieder mit der Frage beschäftigen, welche Stiere er mit seinen Kühen paaren möchte. Es gilt, die Schwächen der aktuellen Generation in den kommenden Generationen auszumerzen und Stärken zu festigen. Mitunter sind auch Tiere darunter, deren Defizite nicht in den Durchschnitt über den ganzen Betrieb passen.

Mit dem Paarungsplan kann die Auswahl des Stieres pro Kuh durchaus vereinfacht werden. Er ist ebenso ein Hilfsmittel für die Zuchtberater der Verbände, wie auch für den Zuchtbetrieb selbst. Dadurch erhält der Betrieb die Möglichkeit seine eigenen Ideen umzusetzen und er kann die Entscheidungsfindung selbst besser nachvollziehen.

Der neue Paarungsplan gliedert sich in die zwei Hauptbereiche Betriebszuchtziel und Schwerpunkte.

Das Betriebszuchtziel wird über die Auswahl der Paarungspartner definiert. Dafür wurde neu eine komplett eigene Ansicht bereitgestellt. Kriterien für die Stierenauswahl können definiert werden. Über eine einfache Gewichtung kann der Benutzer bis zu fünf Merkmale auswählen, um sein Betriebszuchtziel zu definieren. Es werden maximal 30 Stiere selektiert, welche das Zuchtziel am besten erfüllen.

Für jedes weibliche Tier auf dem Betrieb werden automatisch drei Zuchtmerkmale als Schwerpunkte definiert. Der Benutzer kann die Schwerpunkte stets anpassen.

Für jede mögliche Paarung (Kuh mit jedem Stier aus der erstellten Liste) wird ein Anpaarungsindex berechnet. Dieser setzt sich aus verschiedenen Werten zusammen. Zum einen aus dem Eignungswert des Stieres, der das Betriebsziel repräsentiert sowie den drei Zuchtwerten des Stieres, welche die Schwerpunkte der Kuh darstellen. Für eine Kuh werden alle Anpaarungsindices verglichen und rangiert. Ebenfalls wird bei der Rangierung der Inzuchtgrad und die Wahrscheinlichkeit für einen Erbfehler berechnet. Ist einer dieser Werte zu hoch, so wird die Paarung ausgeschlossen.

Projekt mit einigen Herausforderungen

Was zuerst nach einer Änderung mit ein paar Abstrichen und Ergänzungen des bestehenden Paarungsplans von Braunvieh Schweiz aussah, entpuppte sich schon bald als grössere Neuentwicklung für unsere IT.

Der Weg zu den Ergebnissen verfolgt neue Ziele und musste deshalb genau hinterfragt werden.

Das User Interface sieht zwar teilweise ähnlich oder sogar gleich aus. Doch der Weg zu den Ergebnissen verfolgt neue Ziele und musste deswegen genau betrachtet, optimiert und schlussendlich neu implementiert werden. Neue Prozesse und der ständige Blick darauf, dass diese möglichst effizient abgewickelt werden, boten einige Herausforderungen in der technischen Umsetzung.

Datenmengen lenken – Stiere selektieren

Für eine Selektion werden nur Stiere aus einem KB-Angebot (künstliche Besamung) in Betracht gezogen. Doch ohne Einschränkungen können je nach Rinderrasse einige tausend Tiere vorhanden sein. Für jeden dieser Stiere muss der Eignungsindex berechnet werden, um ihn für das Betriebszuchtziel bewerten und einordnen zu können. Am Schluss sollen nur die besten 30 Stiere berücksichtigt werden.

Um diese Datenmengen in Griff zu bekommen haben wir folgendes Vorgehen gewählt:

Die Liste der Stiere soll möglichst klein gehalten werden. Dafür können geeignete Kriterien, wie Rasse, Anbieter, Kappa Kasein, Biotauglichkeit etc. einschränkend gewählt und angewandt werden.

Für jeden der übrig gebliebenen Stiere werden danach die für den Paarungsplan relevanten Zuchtwerte abgerufen. Anschliessend

  • werden weitere Kriterien geprüft. Falls diese nicht erfüllt sind, wird der Stier von der Liste genommen.
  • wird der Eignungsindex berechnet.

Die Zwischenliste wird nach Eignungsindex absteigend sortiert.

Die 30 ersten Stiere werden in die finale Liste übernommen. Dabei wird aber der maximale Anteil von Jungstieren berücksichtigt.

Risiko für Erbfehler

Die Betrachtung des Erbgutes ist ein etwas neueres Thema. Neuerdings hält dies in Bezug auf Erbfehler nun auch Einzug in den Paarungsplan. Für jede Paarung wird also ermittelt, ob es ein erhöhtes Risiko für einen Erbfehler gibt.

Erbfehler werden durch die Typisierung von Rindern bereits seit längerem erfasst, wodurch grosse Datenmengen vorhanden sind. Diese wertvollen Informationen fliessen nun auch in die Planung von Paarungen ein. Sind beide Eltern eines Stieres typisiert, so ist das Risiko schnell berechnet. Falls dies nicht der Fall ist, wird die Wahrscheinlichkeit von der fünften Generation her berechnet werden.

Dabei kommen starke, analytische Funktionen unserer Datenbank zum Einsatz, damit in kürzester Zeit genau die richtigen Daten abgerufen und die anschliessenden Berechnungen auf ein Minimum reduziert werden. Wiederum ist hier auch eine geschickte Organisation der Daten in der Abarbeitung von grosser Bedeutung.

Fazit

Die aufgeführten Teilbereiche des Paarungsplanes, die Stierenselektion und das Erbfehlerrisiko, zeigen exemplarisch, welche Herausforderungen der neue Paarungsplan in der Entwicklung bereithielt. Mit einer grossen Portion Ingenieursleistung, einer Prise Kreativität und guter Kommunikation konnte ein hochinteressantes Projekt zum Abschluss gebracht werden.

Wir freuen uns, für Braunvieh Schweiz und swissherdbook mit dem neuen Paarungsplan ein Tool zur Verfügung stellen zu können, welches den gewachsenen Ansprüchen entspricht und mit dem sich effizient arbeiten lässt.

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