Unterwegs an der Interbeef in Prag

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Vom 17. – 19. Juni 2019 hat in Prague die jährliche ICAR Konferenz stattgefunden. Zu diesem Anlass hat sich auch die Interbeef Working Group getroffen und sich über spannende Themen ausgetauscht. Als eine der beiden Schweizer Vertreterinnen bei Interbeef habe ich das Meeting besucht. Ein Rückblick.

Rückblick zum Interbeef Meeting in Prag 2019

Vier Schwerpunkten haben das Programm des Interbeef Treffens geprägt:

  1. Interbeef Technical Group Meeting:
    Hier wurde Feedback zur Routine und zum Testlauf gegeben, sowie der Stand der jeweiligen Entwicklungsprojekte bekannt gegeben.
  2. Interbeef Workshop:
    Ziel des Workshops ist es Interbeef attraktiver zu machen, um mehr Länder zu motivieren, sich Interbeef anzuschliessen.
    Resultate zu einer internationalen Befragung zeigte auf die verbreiteste Rassen, Merkmalen sowie wo die genomische Selektion implementiert ist.
  3. Interbeef Working Group Meeting:
    Es ging mehrheitlich darum, wie Interbeef sich organisiert und finanziert. D.h. es wurde ein Projektplan mit den dazugehörigen Prioritäten gemacht. Zusätzlich wurde die Gebühren für die Teilnahme an Interbeef besprochen.
  4. ICAR Session 1 “New Traits und Developments in Beef Cattle Breeding”:
    Es ging darum, dass verschiedene Ländern die Gelegenheit Resultate von Projekten zu präsentieren.

Bildquelle: Interbeef (https://wiki.interbull.org/public/beef_guidelines)

Neben vielen vorgestellten Arbeiten und dem Austausch im Netzwerk bei Interbeef hat uns aus der ICAR Session das von Alexis Michenet vorgestellte Projekt “A single-step, multiple-trait genomic evaluation model increase the accuracy for suckling performance in beef cows” besonders interessiert. Er hat gezeigt, dass das Absetzgewicht maternal (AGM) mit der Milchleistung (MY = Gewicht vor und nach dem Saufen der Mutterkuh) hoch genetisch korreliert ist. Bei der Mutterkuhhaltung wird AGM oft als Proxi für die Milchleistung genommen. Vor Kurzem haben wir selbst dazu einen Blogbeitrag verfasst.

Zudem freut uns natürlich, dass dass Mexico, Brasil, Italien, Slovenia Interesse an Interbeef zeigen. Wir sind schon auf das nächste Interbeef Treffen gespannt, das vom 4. – 6. November 2019 in der Schweiz stattfinden wird. Dann wird unsere Anreise etwas kürzer ausfallen.

ICAR Session Eröffnung mit dem Titel “New Traits & Developments in Beef Cattle Breeding” wurde mit Andrew Cromie (links), Chairman Interbeef Working Group und Eric Venot (rechts) Chairman Interbeef Technical Committee.

Was ist eigentlich Interbeef?

Das International Committee for Animal Recording (ICAR) ist eine internationale Nichtregierungsorganisation, die sich mit Richtlinien, Standards und Zertifizierungen von Tierdaten beschäftigt. Insgesamt umfasst ICAR 21 Working Groups, deren Mitglieder sich über verschiedene Themen, wie zum Beispiel Tierdatenaustausch oder Sicherstellung von Qualität, austauschen.

Eine dieser Working Groups ist Interbeef – in dieser Gruppe dreht sich alles um die internationale Zuchtwertschätzung (ZWS) im Fleischrinderbereich. 2001 hatten sich Frankreich, Irland und Grossbritannien zur “European International Beef Evaluation” (EUBEEVAL) für die Rassen Charolais und Limousin zusammengeschlossen. Um international erfolgreicher zu sein wurde 2005 Interbeef als Working Group von ICAR gegründet und 2011 wurde die Interbull Data Exchange Area (IDEA) Datenbank ins Leben gerufen. Dort sind für Mitglieder Pedigrees und Phänotypen gespeichert. Bis heute wächst die Gruppe der Mitglieder und nimmt verschiedene Aufgaben wahr. Ziele und Kennzahlen zu Interbeef sind in der Infobox ersichtlich.

Schweiz als Interbeef Mitglied

Mutterkuh Schweiz ist ebenfalls Mitglied bei Interbeef. Die Schweiz wird bei Interbeef von Svenja Strasser, der Herdebuchleiterin von Mutterkuh Schweiz, und Sophie Kunz, Genetikerin bei der Qualitas AG, vertreten. Bei der Besprechung in Prag hat sich klar gezeigt, dass sich die Schweiz im Vergleich zum Ausland mit Projekten im Fleischrinderzuchtbereich im Mittelfeld bewegt. Einzig die Datenmenge zwischen den Ländern ist unterschiedlich. Alle stehen vor den gleichen Herausforderungen: viel Natursprung und wenig künstliche Besamung, geringe Datenmengen bei gewisse Rassen, es gibt keine einheitliche Phänotypenerhebung, die Erfassung bei den Geburtsmerkmalen ist sehr schwierig, es gibt viele Daten von Kreuzungstieren und der Einsatz von Fleischrassen auf Milchrassen.

Die Schweiz ist in allen Projekten von Interbeef beteiligt. Im Herbst 2019 hoffen wir, dass wir Interbeef Zuchtwerte für Absetzgewicht direkt und maternal für Angus (AN), Charolais (CH), Hereford (HH), Limousin (LM) und Simmental (SM) für Mutterkuh Schweiz publizieren können.

Darstellung von den Entwicklungsprojekten für Interbeef Zuchtwerte (ITB-ZW)

Entwicklung Start
Entwicklung Ende
Routine ITB-ZW
Publikation ITB-ZW in der Schweiz
ITB-ZW Absetzgewicht
(direkt und maternal)
AN, CH, HH, LM, SM
ITB-ZW Erstkalbealter, Zwischenkalbezeit, Anzahl Kälber CH, LM, SM
ITB-ZW Geburtsablauf und Geburtsgewicht
(direkt und maternal)
CH, LM, SM
ITB-ZW Schlachtgewicht und Fleischigkeit AN, CH, HH, LM, SM

Interbeef in Zahlen

Interbeef Ziele:

  1. Die Plattform dient zum Wissensaustausch.
  2. Pflege und Definition der Richtlinien und Standards für die Erfassung der Fleischrindermerkmale.
  3. Internationale Übersicht im Fleischrinderbereich schaffen.
  4. Internationale Zuchtwertschätzung und Dienstleistungen entwickeln.
  5. Die Nutzung der genomischen Selektion fördern.

Interbeef heute:

  • 9 Mitgliedsländer – Frankreich, Ireland, Grossbritannien, Schweiz, Deutschland, Tschechien, Dänemark-Finnland-Schweden, Australia, Südafrika
  • 5 Rassen – Charolais, Limousin, Simmental, Angus, Hereford
  • 2 Routine Interbeef Zuchtwertschätzungen pro Jahr im Interbullcenter in Uppsala
  • 2 Testläufe pro Jahr, wenn ein ZWS Modell oder neue Merkmale/Rassen/Ländern angepasst werden, Interbullcenter in Uppsala
  • 2 Merkmalsblöcke in Routine – Absetzmerkmale und Geburtsmerkmale
  • 2 Mermalskblöcke in Entwicklung – Fertilitäsmerkmale und Schlachtmerkmale
  • 4 Entwicklungspartner – Frankreich, Ireland, Deutschland, Tschechien
  • 1 phD Projekt von Renzo Bonifazi
  • UND viele Energie, um weitere Projekte anzureissen
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