Rückblick Interbull-Meeting 2019

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Die Skyline von Cincinnati vom Riverside Park am Ufer des Ohio Rivers aus gesehen.

Die Skyline von Cincinnati vom Riverside Park am Ufer des Ohio Rivers aus gesehen. 
Foto: Urs Schnyder, Qualitas AG.

Die Auswirkungen der genomischen Selektion auf die internationale Zuchtwertschätzung, neue Merkmale wie Futterverzehr und Effizienz, sowie der Abschied des langjährigen Vorsitzenden Reinhard Reents haben das diesjährige Interbull-Meeting geprägt.

Das Interbull-Meeting 2019 hat vom 22. bis 24. Juni im Vorfeld der Jahreskonferenz der „American Dairy Science Association“ (ADSA) in Cincinnati, Ohio, USA stattgefunden. 118 Teilnehmende aus 24 Ländern verfolgten an jenem Wochenende 34 Vorträge, aufgeteilt in fünf thematische Blöcke, zu verschiedenen Aspekten der nationalen und internationalen Zuchtwertschätzung beim Milchvieh. Am Montag folgten dann zwei gemeinsam von Interbull und ADSA organisierte Symposien. Dabei beleuchteten zwölf Referenten die Errungenschaften von zehn Jahren genomischer Selektion und setzten sich mit den Herausforderungen beim Aufbau von genomischen Zuchtwertschätzungen für neue Merkmale auseinander.

Genomik und neue Merkmale

Diese beiden Themen dominierten – wie schon in den letzten Jahren – die Vorträge am Interbull-Meeting 2019. Die Auswirkungen der genomischen Vorselektion von Jungstieren für den Einsatz zur künstlichen Besamung auf die internationale Zuchtwertschätzung wurden ebenso thematisiert, wie die Stabilität genomischer Zuchtwerte im „Single Step“ Verfahren. Im Gegensatz zu unserem zweistufigen Prozess mit herkömmlicher Zuchtwertschätzung und anschliessender Schätzung der SNP-Effekte, werden die genomischen Zuchtwerte dabei in einem Schritt geschätzt. Dies ist oft die Methode der Wahl beim Aufbau genomischer Zuchtwertschätzungen für sogenannt neue Merkmale. Darunter versteht man allgemein Merkmale, welche beim Rindvieh nicht schon seit Jahren routinemässig auf breiter Basis erfasst und ausgewertet werden.

Neben Gesundheitsmerkmalen stehen vor allem Futterverzehr und Effizienz, aber auch die Zusammensetzung der Fettsäuren in der Milch und der Methanausstoss der Kühe im Zentrum des Interesses. Dabei wird intensiv nach Methoden und Hilfsmerkmalen gesucht, welche eine günstige und effiziente Merkmalserhebung ermöglichen. Wegen der hohen Kosten setzen bei diesen Themen auch grosse Länder vermehrt auf internationale Zusammenarbeit. Ein anderes Thema, mit welchem sich mehrere Referenten beschäftigen, ist der Einsatz von Fleischrassenstieren auf Milchkühe. Dabei steht die optimale Gewichtung von Schlachtleistung und Geburtsablauf im Fokus. Eine spontan einberufene Diskussionsrunde wurde der Frage gewidmet, wie die Daten aus dem Einsatz von Fleischrassen auf Milchkühe besser international vernetzt werden könnten.

Änderungen im Interbull-Vorstand

Interbull ist ein permanentes Sub-Komitee von ICAR (Internationales Komitee für Leistungsprüfungen in der Tierzucht), welches durch einen neunköpfigen Vorstand, das sogenannte „Interbull Steering Committee“, geleitet wird. Nach 20 Jahren, 13 davon als Vorsitzender, trat Reinhard Reents, Geschäftsführer des Rechenzentrums VIT in Verden (DEU), in Cincinnati aus dem Interbull-Vorstand zurück. Für seine grossen Verdienste rund um Interbull wurde er von ICAR-Präsident Jay Mattison (USA) mit dem „President’s Award“ geehrt. Dies ist die höchste Auszeichnung, welche ICAR zu vergeben hat.

Zum neuen Interbull-Vorsitzenden wurde Matthew Shaffer gewählt, Geschäftsführer von DataGene aus Australien. Brian Van Doormaal (Lactanet, CAN) wird sein Stellvertreter. Die deutschsprachigen Länder werden im Interbull-Vorstand neu durch Urs Schnyder vertreten, Fachbereichsleiter Zuchtwertschätzung bei der Qualitas AG. Gerben de Jong (CRV, NLD) wurde anstelle von Marco Winters (DairyCo, GBR) für den Interbull-Vorstand nominiert und Gert Pedersen Aamand (SEGES, DNK) für eine neue vierjährige Amtszeit vorgeschlagen. Die Nominierungen müssen durch den ICAR Vorstand (Board) noch offiziell bestätigt werden.

v.l.n.r.: Brian Van Doormal (Stv. Vorsitzender Interbull), Matthew Shaffer (neuer Vorsitzender Interbull), Reinhard Reents (abtretender Vorsitzender), Toine Roozen (Direktor Interbull Zentrum), Jay Mattison (Präsident ICAR).

V. l. n. r.: Brian Van Doormal (Stv. Vorsitzender Interbull), Matthew Shaffer (neuer Vorsitzender Interbull), Reinhard Reents (abtretender Vorsitzender), Toine Roozen (Direktor Interbull Zentrum), Jay Mattison (Präsident ICAR).
Foto: Interbull

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