Das Ressourcenprojekt “Gesunde Klauen”

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Lahmheiten und Klauenerkrankungen sind die dritthäufigste Abgangsursache beim Schweizer Milchvieh. Deshalb befasst sich das Ressourcenprojekt “Gesunde Klauen – das Fundament für die Zukunft” schweizweit mit der Klauengesundheit des Rindviehbestandes.

Die Schweizer Klauenpflegervereininung (SKV), die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR)  und die Wiederkäuerklinik der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern haben sich als Initianten vorgenommen, die Klauengesundheit in der Schweiz zu verbessern.

Dies fördert die Tiergesundheit und das Tierwohl, führt langfristig zur Verminderung des Medikamenten- und Desinfektionsmittelverbrauchs und somit zur Reduktion von Schadstoffeinträgen in die Umwelt. Die erhöhte Wirtschaftlichkeit und Langlebigkeit der Rinderhaltung sowie die Verbesserung der Zuchthygiene tragen zu einem schonenden Umgang mit Umweltressourcen und einer höheren gesellschaftlichen Akzeptanz der Rindviehproduktion bei.

Gesundheitsdaten mit Potenzial

Gesundheitskonzepte basieren im Allgemeinen auf Kennzahlen und der Analyse von Gesundheitsdaten. Aktuell bestehen jedoch keine auf Kennzahlen basierende Klauengesundheitskonzepte in der Schweiz. Jährlich werden in der Schweiz allen Milchkühen ein- bis zweimal die Klauen geschnitten. Zurzeit werden jedoch nur sehr wenige Klauengesundheitsdaten während der Klauenpflege erhoben. Sofern doch eine handschriftliche Datenerhebung erfolgt, so werden diese beim Landwirt oder beim Klauenpfleger aufbewahrt und stehen weiteren Personen, wie z. B. Bestandstierärzten oder Zuchtorganisationen, nicht oder nur sehr selten zur Verfügung. Aus diesem Grund werden diese Daten selten bis nie ausgewertet, was eine betriebsspezifische Betreuung im Bereich Klauengesundheit unmöglich macht. Ausserdem ist die Berechnung der Inzidenzen und Prävalenzen von Lahmheiten und Klauenerkrankungen schweizweit nicht durchführbar, da die erhobenen Daten nicht in einen gemeinsamen Datenpool gespiesen werden.

Dies soll mit dem Ressourcenprojekt geändert werden. Dazu sollen Klauenpfleger in die Datenerfassung eingebunden, IT-Systeme vernetzt, Bestandstierärzte und Klauenpfleger sowie Tierhalter in Klauengesundheit ausgebildet werden. Zusätzlich sind die Daten zur Klauengesundheit via einheitlichem Schlüssel systematisch und elektronisch dokumentiert sowie für die verschiedenen involvierten Personen und Organisationen einfach nutzbar bei gleichzeitiger Normierung der Daten und Verbesserung der Datenqualität.

Klauengesundheitsdaten digital erfassen

Klauenpfleger können während der regelmässigen Klauenpflege die Software KLAUE von dsp-Agrosoft nutzen, um Indikator- und Betriebsdaten elektronisch zu erfassen. Die Qualitas hat im Zusammenhang mit dem Ressourcenprojekt bereits 2019 das KlauenNet entwickelt, welches über Schnittstellen zur Software KLAUE und der Identitas AG verfügt.

Für die Akteure des Ressourcenprojekts haben wir im KlauenNet eine eigene Benutzeroberfläche gestaltet, über die der Zugriff auf alle Klauengesundheitsdaten der Projektbetriebe möglich ist. Die Daten werden dazu genutzt, um mithilfe eines Algorithmus den sogenannten Betriebswert zu berechnen. Dieser basiert auf der Anzahl und Schwere der Diagnosen eines Routinebesuches des Klauenpflegers. Mit den gesammelten Daten werden Klauengesundheitsprobleme auf Bestandesebene evaluiert und Problembetriebe erkannt.

Die Klauengesundheitsdaten werden zudem in den Datenbanksystemen der Schweizer Zuchtorganistionen, also den Mitgliedern der ASR, gespeichert und dürfen für die Leistungsprüfung, Zuchtwertschätzung sowie für zuchttechnische Auswertungen genutzt werden. Den Tierhaltern werden die Daten über die entsprechenden Webapplikationen, wie zum Beispiel BrunaNet oder redonline, zur Verfügung stehen.

In einer zweiten Umsetzungsphase 2020 werden die ausgewerteten Klauengesundheitsdaten für das Benchmarking und zur Berechnung von Kennzahlen sowie für die Früherkennung von Klauenleiden verwendet.

Abbildung: Vernetzung der Klauengesundheitsdaten.

Möglichkeiten für die Tierzucht

Die Klauengesundheit kann durch züchterische Massnahme stabilisiert und nachhaltig verbessert werden. Aufgrund der generell niedrigen Erblichkeiten von Fitness- und Gesundheitsmerkmalen ist eine breite Datenbasis unumgänglich. Dabei sind Daten aus der Klauenpflege, aber auch tierärztliche Diagnosen, Daten der linearen Beschreibung sowie neuerdings auch Daten aus digitalen Herdenmanagementprogrammen von Interesse. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Nutzung von Klauenpflegedaten eine wichtige Grundlage für die Zucht auf Klauengesundheit bildet (van Pelt, 2015, Häggman et al., 2013, Koenig et al., 2005). Dabei sollen nicht nur kranke Tiere dokumentiert werden, sondern auch Daten von gesunden Tieren müssen erfasst werden. Vor allem die skandinavischen Länder kalkulieren bereits Routine-Zuchtwerte für Klauengesundheit (Odegard et al., 2013, Johansson et al., 2012), was eine wertvolle Zusatzinformation für den Züchter darstellt. Der Einsatz von Stieren, die viele Klauenerkrankungen vererben, kann dadurch vermieden werden.

Die züchterische Bearbeitung von Gesundheitsmerkmalen wird langfristig ebenfalls einen Beitrag zur Verbesserung der Schweizer Tiergesundheit leisten. Mit Hilfe von künftigen Zuchtwerten für Gesundheitsmerkmale kann die Zucht von gesunden Tieren unterstützt und die Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Genetik gefördert werden.

Was ist ein Ressourcenprojekt?

Der Bund fördert Projekte, die dazu beitragen, dass natürliche Ressourcen, wie zum Beispiel Boden, Wasser, Luft oder Energie, in der Landwirtschaft nachhaltiger genutzt werden. Zudem werden auch Projekte unterstützt, die sich der Optimierung des nachhaltigen Einsatzes von Produktionsmitteln widmen. Dazu gehören unter anderem Pflanzenschutz- oder Tierarzneimitteln, Futtermitteln oder Dünger.
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