IT für gesunde Kühe

IT und Landwirtschaft sind heute untrennbar miteinander verbunden. Laufend werden neue Apps entwickelt, die auch in der Nutztierhaltung Vorteile bringen. Bei neuen Projekten, die IT und Landwirtschaft noch näher zusammen bringen, ist es wichtig, dass beide Bereiche aufeinander abgestimmt sind und gegenseitig von ihrem Wissen profitieren.

Heute wollen wir euch in unserem Blog das Projekt MID vorstellen, bei dem wir genau auf dieses Zusammenspiel angewiesen waren. Ganz konkret zeigen wir euch, wie wir ein Web-Tool entwickelt haben, das dem Züchter hilft, die Gesundheit seiner Kühe einfacher zu managen.

Hilfe für die Praxis

Wenn Milchkühe krank werden, können sie unter anderem an einer Euterentzündung leiden. Im Fachjargon heisst die Euterentzündung Mastitis. Diese Krankheit kann durch verschiedene Mikroorganismen ausgelöst werden. Die geeignete Therapieform hängt stark vom jeweiligen Erreger ab. Der Züchter muss deshalb schnell wissen, was seiner Kuh genau fehlt. Das Milchanalyselabor Suisselab (www.suisselab.ch) bietet einen Mastitis-Identifikationstest (MID) an, welcher die Identifikation und Quantifizierung der 15 wichtigsten Mastitiserregern ermöglicht.

Damit die Nutzung des MID Angebotes von Suisselab möglichst einfach ist, haben die Zuchtverbände Braunvieh Schweiz und swissherdbook das Gesundheitsabo entworfen. Das Gesundheitsabo besteht aus dem Mastitis-Identifikationstest, also der Diagnose im Labor, sowie dem Gesundheitsbericht. Der Gesundheitsbericht enthält wichtige Informationen über die gesamte Herde eines Züchters zur Eutergesundheit. Der Züchter erhält einen Einblick, wie sich seine Herde über die Zeit und im Vergleich zu Daten anderer Betriebe verhält. Damit geben wir den Züchtern ein Tool, mit dem er die richtigen Massnahmen ergreifen kann, um seine Kühe gesund zu halten oder bei Bedarf mit den richtigen Medikamenten zu behandeln.

Foto: swissherdbook

Projektarbeit = Teamarbeit

Jaquelino Barbosa ist bei uns im IT Team Softwareentwickler und hat das Projekt technisch geleitet. Aber uns ist von Anfang an klar gewesen, dass wir für das Projekt MID nicht nur auf unser technisches Know-how setzen können. Für Know-how, wie man Gesundheitsdaten sinnvoll auswertet, haben wir uns auf Mitarbeitende aus dem Team Zuchtwertschätzung berufen. Vor allem Urs Schuler hat uns hier wertvolle Inputs geliefert. Zudem haben wir Vertreter aus den beiden Zuchtorganisationen in das Projekt Team geholt. Mit dieser Kombination konnten wir schneller verstehen, welche Erreger eine Mastitis auslösen, wie wir die Daten von Suisselab sinnvoll interpretieren und welche Informationen für den Züchter am Ende relevant sind.

Beim Start des Projekts MID haben wir als Erstes den groben Ablauf definiert. Wir haben uns Gedanken dazu gemacht, wer in welcher Rolle beteiligt ist, welche Aktionen ausgeführt werden und wie am Ende das Ergebnis aussehen soll.

Das Gesundheitsabo als Workflow: Züchter, die ein Gesundheitsabo nutzen, senden ein ausgefülltes Auftragsformular und eine Milchprobe an Suisselab. Im Labor bei Suisselab wird untersucht, ob und welche Mastitiserreger in der Milchprobe vorhanden sind. Die Daten dieser Untersuchung übermittelt Suisselab an die Qualitas und in unserem System werden die Informationen entsprechend verarbeitet. Über das BrunaNet oder redonline und teilweise per Post kann der Züchter auf die Ergebnisse im MID Prüfbericht zugreifen und die richtigen Massnahmen für eine Behandlung ergreifen. Mit dem Gesundheitsbericht erhält er eine weitere umfassende Auswertung für seine Tiere.

Mit dieser Zusammenfassung haben wir geklärt, wo die Reise als Gesamtpaket hingehen wird. Aus technischer Sicht haben wir den Workflow in folgende Arbeitspakete zerlegt, um einfacher daran arbeiten zu können:

Foto: swissherdbook

  • das neue Gesundheitsabo in den Webapplikationen der Zuchtverbände integrieren (BrunaNet bei Braunvieh Schweiz und redonline bei swissherdbook)
  • das Bestellen einer Untersuchung in der Webapplikation ermöglichen
  • die Daten bei Suisselab beziehen
  • die Daten bei der Qualitas verarbeiten und auswerten
  • eine automatische Rückmeldung an den Züchter sicherstellen
  • den Gesundheitsbericht erstellen und zur Verfügung stellen

Was sich hier in einer Liste so schnell zusammenfassen lässt, hat unser IT Team vor einige Herausforderungen gestellt.

Front-End mit Erfahrung

Wir haben also als Erstes die Dienstleistung Gesundheitsabo im Front-End der Webapplikationen BrunaNet und redonline integriert und den Bestellprozess umgesetzt. Diese Aufgaben waren für uns noch einfach, da die Applikationen bereits bestehen und wir deshalb lediglich die User Interfaces programmieren und den Menüpunkt des Abos einfügen mussten. Zudem haben wir bereits früher einmal eine andere Dienstleistung der Zuchtverbände digitalisiert, die ebenfalls einen Bestellprozess beinhaltet. Auf dieses technische Wissen haben wir bei der Umsetzung des Gesundheitsabos zurückgegriffen. Dennoch braucht es Aufmerksamkeit, wenn das Front-End entwickelt wird, da es der Teil in der Webapplikation ist, mit dem die Mitarbeiter der Zuchtverbände und vor allem die Züchter täglich arbeiten. Aus diesem Grund haben wir den Anspruch, dass die Applikationen einfach und schnell zu bedienen sind und wir den Aufwand für die User möglichst reduzieren.

Daten speichern, verarbeiten und bereitstellen

Die Untersuchungsresultate von Suisselab werden als Flat Files, also als reine Textdateien, über eine Standleitung auf einem unserer Server gespeichert. Für dieses Vorgehen haben wir keine neue Infrastruktur benötigt, da Suisselab mit dem System auf die gleiche Weise die Daten aus der täglichen Untersuchung der Milchleistungsprüfung an uns übermittelt.

Unser Team im Operating kontrolliert den Dateneingang regelmässig und sichert die erhaltenen Daten, damit wir sie im Anschluss verarbeiten können. Zur Verarbeitung werden die Daten aus den Flat Files zuerst in eine Importtabelle übertragen. Dabei prüfen wir automatisch, ob sie logisch und vollständig sind. Sollte dies nicht der Fall sein, senden wir eine automatische Fehlermeldung an die entsprechenden Mitarbeiter der Zuchtorganisationen, damit sie den Fehler korrigieren. Wenn aber alles richtig läuft, übertragen wir die Resultate anschliessend in unsere Datenbank.

Ab diesem Zeitpunkt haben der Züchter als auch die Mitarbeiter der Zuchtorganisationen die Möglichkeit die Resultate online abzufragen. Damit der Züchter auch weiss, dass die Ergebnisse aus der MID Untersuchung für ihn bereit sind, schicken wir ihm eine automatisierte Nachricht in Form einer E-mail oder einer SMS. Zusätzlich fassen wir die Daten im MID Prüfbericht zusammen, welcher dem Züchter als PDF zur Verfügung steht oder per Post zugeschickt wird.

Statistik zur Verbesserung der Tiergesundheit

Ein wichtiger Punkt aus dem Projekt MID fehlt allerdings noch – und zwar die Erstellung des Gesundheitsberichts. Was genau der Gesundheitsbericht beinhaltet, haben wir euch bereits weiter oben erklärt. Damit wir den Bericht in der gewünschten Form und mit den richtigen Informationen erstellen können, hat uns Urs aus der Zuchtwertschätzung geholfen. Dank Urs konnten wir die aktuellen Kennzahlen und Jahresdurchschnitte richtig berechnen.

Wozu brauche ich den Gesundheitsbericht?

Grafik im Print Framework

Die grafische Gestaltung der Kennzahlen war eine zusätzliche Herausforderung beim Gesundheitsbericht. Aus dem Projekt “Nutzung Rindergesundheitsdaten” konnte uns Urs wertvolle Informationen liefern. Denn dort wurde in einem Arbeitskreis von Züchtern und Tierärzten genau dieses Thema bereits diskutiert und mögliche Darstellungsformen erarbeitet.

Da wir den Gesundheitsbericht dem Züchter als PDF oder in gedruckter Form zukommen lassen, haben wir das gesamte Layout inklusive der vorgesehenen Grafiken in unserem Print Framework PlanetPress umgesetzt. Vor allem die Grafiken haben uns dort vor Herausforderungen gestellt, da wir sie in der im Framework integrierten Sprache PlanetPress Talk detailgenau programmieren mussten.

Gemeinsam ans Ziel

Wenn wir auf das Projekt MID zurückblicken, stellen wir fest, dass unsere Teams aus IT und Zuchtwertschätzung zwingend aufeinander angewiesen waren. Ohne neue Erkenntnisse hätten unsere Software Entwickler das Projekt MID vermutlich nicht so gut umsetzen können und ohne das Know-how aus unserem Team Zuchtwertschätzung wäre der Mehrwert für unsere Kunden und die Züchter wesentlich geringer ausgefallen. Der ständige Austausch und die offene Zusammenarbeit haben das Projekt erfolgreich gemacht und uns die Schwierigkeiten gemeinsam bewältigen lassen.

Da Landwirtschaft und IT immer näher zusammen rücken und voneinander profitieren, wird die teamübergreifende Arbeit in unserem Umfeld zunehmend wichtiger. Vor allem für die Nutzung von Gesundheitsdaten bestehen grosse Hoffnungen, um zum Beispiel die tierärztliche Bestandesbetreuung zu erleichtern. Mit den Daten sollen zukünftig Stoffwechselerkrankungen, Lahmheiten oder Kälberkrankheiten besser behandelt oder Probleme bei der Fruchtbarkeit schneller erkannt werden. Unsere Projekt-Teams sind flexibel und setzen sich aus Projektmanagern, Software Entwicklern und Genetikern zusammen. Damit sind wir als Zentrum für Daten aus der Nutztierhaltung für unsere zukünftigen Projekte mit breitem Know-how aufgestellt.

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