eBGS – eine App für die Milchkontrolle

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Um den Ablauf bei der Milchkontrolle zu vereinfachen und die Daten digital erfassen zu können, haben wir für unsere Kunden, die Zuchtorganisationen, die die Milchkontrolle organisieren, einen elektronischen Begleitschein als App entwickelt – den eBGS.

In Zukunft können interessierte Milchkontrolleure von Braunvieh Schweiz, swissherdbook und Holstein Switzerland auf diese von Qualitas entwickelte App umsteigen. Mit der App kann die Milchkontrolle zukünftig ohne gedruckten Begleitschein durchgeführt werden und Betriebe mit automatischem Datenaustausch können die B-Kontrolle sogar selbst durchführen. Mit der Digitalisierung wird der gesamte Ablauf bei der Milchkontrolle schlanker und effizienter gestaltet.

Die Milchkontrolle auf Milchviehbetrieben dient dazu Daten der Milchleistung zu erheben. Dazu besuchen Milchkontrolleure in regelmässigen Abständen Milchviehbetriebe und füllen dort mehrere Seiten lange Begleitscheine von Hand aus. Für jede Kuh wird dabei die Milchprobe vermerkt.

Abbildung: Beim Starten der App erscheint der eBGS Splash Screen.

Bereit zum Download

Welche technischen Arten von Apps es in der Softwareentwicklung gibt, haben wir bereits in einem früheren Blogbeitrag erklärt. Für unsere eBGS App haben wir eine hybride Apptechnologie verwendet. Also eine Kombination aus Web- und Native-App. Das Gerüst der App entspricht dabei dem einer Native-App, der Inhalt ist allerdings webbasiert. Mit dieser Kombination können wir den Vorteil nutzen, dass die App für unterschiedliche Betriebssysteme – also iOS und Android – nur einmal programmiert werden muss. Das ist technisch weniger aufwändig und bringt ein sehr gutes Ergebnis bei der Umsetzung. Seit Juli 2019 ist die App für interessierte Milchkontrolleure in den App-Stores von Apple und Android verfügbar.

Milchleistungskontrolle – handmade

Bisher benötigt jeder Kontrolleur, der eine Milchleistungskontrolle auf einem Milchviehbetrieb durchführen möchte, vorgedruckte Begleitscheinformulare zur Erfassung der Daten und Strichcode-Etiketten zur Kennzeichnung der Milchprobenflaschen. Formulare und Etiketten werden ihm per Post zugestellt.

Während seinem Besuch auf einem Betrieb trägt der Kontrolleur für jede Kuh das Resultat der Milchleistungskontrolle von Hand in den Begleitschein ein. Zudem füllt er für jede Kuh eine Milchprobe ab und ordnet diesen mit Hilfe des mitgelieferten Strichcode-Etikettes dem richtigen Tier zu. Begleitschein und Proben schickt er anschliessend zu Suisselab nach Zollikofen.

Bei Suisselab angekommen, werden die Milchproben und Begleitscheine erst einmal getrennt. Die Milchproben werden im Labor für die weitere Analyse verarbeitet, während die Begleitscheine gescannt und mit einer Software zur Erkennung von Handschriften verarbeitet werden. Da die Daten auf den handgeschriebenen Begleitscheinen jedoch nicht immer einheitlich und in leserlichster Schrift festgehalten sind, erfolgt eine zusätzliche Kontrolle der eingelesenen Daten durch die Mitarbeitenden der Zuchtverbände. Im System werden im Anschluss jeder einzelnen Kuh die Daten zugeordnet.

Ein aufwändiger Arbeitsprozess, der durch viele manuelle Schritte durchaus einige Fehlerquellen birgt. Die neu entwickelte eBGS App hat zum Ziel die Papierlisten, die Fehleranfälligkeit beim Scannen und die aufwändige manuelle Kontrolle zu ersetzen.

Begleitschein goes digital

Im Zuge der Digitalisierung möchten wir immer mehr Abläufe automatisieren und vereinfachen. Beweggründe für die Entwicklung sind der Wunsch, die Fehlerquoten zu reduzieren, die Effizienz zu steigern und Abläufe zu vereinfachen. Digitale Anwendungen sollen für die Benutzer leicht verständlich und intuitiv zu verwenden sein. Wir möchten also Produkte für User entwickeln, die gezielte Bedürfnisse abdecken und somit einen echten Mehrwert bieten.

Die Verarbeitung der Daten in unserem System bleibt trotz Einführung der App vorerst unverändert. Allerdings können wir den Milchkontrolleuren und Betriebsleitern mit dem eBGS ein Tool zur Verfügung stellen, das es ihnen ermöglicht ohne viel Papier- und Schreibaufwand die Daten der Milchkontrolle zu erfassen. Der Umweg der Begleitscheine über den Postweg, zurück zum Scannen, sowie die mühevolle Nachkontrolle der Ergebnisse fallen dank der App weg.

Trail & Error – die Entwicklung

In der gedruckten Form erhält heute jeder Kontrolleur mehrere Begleitscheine für die Betriebe, bei welchen er eine Milchkontrolle durchführen muss. Jeder Begleitschein ist mit einem Buchstaben gekennzeichnet. „B“ für Kontrollen auf Betrieben, die Braunvieh Schweiz angeschlossen sind,  „H“ steht für Holstein Switzerland und „S“ für Betriebe von swissherdbook. Damit in der App, die von Braunvieh Schweiz, swissherdbook und Holstein Switzerland gemeinsam genutzt wird, die Begleitscheine für den richtigen Kontrolleur angezeigt werden können, muss der Kontrolleur sich über ein Login anmelden.

Für Betriebe und Milchkontrolleure bestehen heute bereits diverse digitale Anwendungen, die ein Login nutzen. Unser Gedanke war also ein bereits bestehendes System zu verwenden, um keine zusätzlichen Login Daten generieren zu müssen. In einem ersten Ansatz haben wir versucht das Agate Login der Verkehrsdatenbank zu integrieren. Dafür müsste jedoch jeder Kontrolleur bereits über ein Agate Login verfügen, was nicht zwingend der Fall ist. Ausserdem kam hinzu, dass die Verbindung zwischen Agate Login und den Daten der Zuchtverbände technisch nur mit erheblichem Aufwand hätte umgesetzt werden können. Aus diesen Gründen haben wir eine weitere Möglichkeit geprüft.

Im Gegensatz zu Agate verfügt jeder Milchkontrolleur über ein Login beim BrunaNet von Braunvieh Schweiz und/oder bei redonline von swissherdbook oder bei Holstein Switzerland. Diese Login Daten konnten wir sehr einfach und effizient in die eBGS App einbinden und die benötigten Daten zur Verfügung stellen. Alles was dazu zusätzlich nötig ist, ist ein Vermerk in der Datenbank bei den Daten des Kontrolleurs, dass er seinen Begleitschein elektronisch über die eBGS App beziehen möchte.

Abbildung: Übersicht für den Kontrolleur der zu kontrollierenden Betriebe.

Abbildung: Ansicht der Tierliste eines einzelnen Betriebes inklusive Ampelsystem.

Abbildung: Erfassung der Milchkontrolldaten bei einem einzelnen Tier.

Die Tatsache, dass Kontrolleure zum Beispiel gleichzeitig bei Braunvieh Schweiz und swissherdbook als Milchkontrolleur tätig sein und somit über zwei Logins verfügen können, mussten wir bei der Erstellung des Logins aber berücksichtigen. Wir haben diese Doppelspurigkeit gelöst, indem wir festgelegt haben, dass die E-Mail Adresse des Kontrolleurs als Username verwendet wird, egal ob er bei nur einem oder mehreren Zuchtverbänden angeschlossen ist. Ist letzteres der Fall, sollte der Kontrolleur bei beiden Verbänden die gleiche E-Mail Adresse verwenden. So kann er mit nur einem Login alle seine zu bearbeitenden Begleitscheine verwalten.

Damit der Kontrolleur möglichst wenig Daten in sein Smartphone oder Tablet eintippen muss, haben wir ein Plugin genutzt, mit dem der Strichcode zur Kennzeichnung der Milchproben unkompliziert mit der Handy-Kamera gescannt werden kann. So entsteht ohne grossen manuellen Aufwand eine Verbindung von Milchprobe und Tier-Identifikationsnummer. Bei der Implementierung des Plugins sind wir jedoch auf einige Hindernisse gestossen. Je nach Betriebssystem werden nicht alle Barcode-Varianten unterstützt. Da bei ersten Testes auf iOS-Geräten unser verwendeter Barcode nicht erkannt wurde, mussten wir uns ausführlicher mit diesem Thema auseinandersetzen. Nach ausführlichen Recherchen konnten wir das Plugin anpassen, damit es unseren Barcode scannen und verarbeiten kann.

Bei der Ausarbeitung der genauen Bedürfnisse unserer Kunden an die App, hat sich gezeigt, dass die Eingabe oder Berechnung der Milchmenge auf eine Kommastelle eine grosse Bedeutung hat. Wir mussten uns also überlegen, wir wir es dem User möglichst einfach machen, dieses Datenformat einzugeben. Nach verschiedenen Versuchen sind wir zu der Entscheidung gelangt, dass es am wenigsten Probleme und Unklarheiten verursacht, wenn der User die Zahl ohne Kommastelle eingeben kann und der Punkt für die Dezimalstelle in der App automatisch gesetzt wird. Aus 125 werden bei der Eingabe also 12.5kg Milch und aus 89 wird 8.9kg Milch. Eingaben von Buchstaben oder Sonderzeichen werden ignoriert oder lösen eine Fehlermeldung aus. Die Eingabe ohne Dezimalzeichen ist zwar nicht unbedingt üblich, bietet aber am wenigsten Fehlerpotenzial durch die Eingabe des Users.

Was ist Usability?

Bei der Digitalisierung der Begleitscheine war die Usability – also die einfache und intuitive Nutzbarkeit der App – für die Zuchtverbände sowie für uns als Softwareentwickler eine der grössten Herausforderungen. Wir wollten schliesslich ein mehrere Seiten langes Formular so digitalisieren, dass der User es einfach und übersichtlich am Smartphone oder am Tablet nutzen kann.

Die Menüführung in der App ist ganz klar gestaltet, so das sich der User schnell orientieren kann. Die Übersichtslisten zeigen dem Kontrolleur an, welche Begleitscheine er bereits ausgefüllt hat und auf welchen Betrieben die Milchkontrolle noch ansteht. Der User kann jeden Begleitschein einzeln anwählen und innerhalb dieses Begleitscheins jedes einzelne Tier anklicken und die Milchdaten bearbeiten. Ein Ampelsystem informiert den User, bei welchen Tieren bereits alle Daten erfasst sind. Die Navigation zwischen den Menüs „Übersicht“, „Begleitschein“ und „Tier“ erfolgt über das Hamburgersymbol, das immer oben Links angezeigt wird. In den unterschiedlichen Views steht dem User aber auch je nach Ebene ein Button für „Zurück“ oder „Abbrechen“ zur Verfügung, wenn der Vorgang nicht gespeichert und abgeschlossen werden soll.

Was bleibt, was kommt?

Immer mehr Anwendungen im landwirtschaftlichen Umfeld können heute mit modernen Technologien digitalisiert werden. Dennoch müssen bestehende Prozesse nicht völlig auf den Kopf gestellt werden. Die Einführung der eBGS App ist ein gutes Beispiel für einen sanften Übergang von einer Print- zu einer sinnvollen Online-Lösung und sie zeigt, dass sich komplizierte Anwendungen benutzerfreundlich umsetzen lassen. Wie schnell sich die Nutzerzahlen der App steigern und der von Hand ausgefüllte Begleitschein bei der Milchleistungskontrolle dadurch verdrängt wird, bleibt abzuwarten. Die Trends in der Branche zeigen jedoch, dass die Digitalisierung immer mehr an Bedeutung gewinnt. Dadurch entstehen immer neue Anforderungen an unsere Produkte und damit auch an unser technisches Know-How, welches wir laufend erweitern, um diesem Trend gerecht zu werden.

Die eBGS App ist für uns ein spannendes Projekt gewesen, bei dem wir gemeinsam mit unseren Kunden eine wichtige Dienstleistung entwickeln konnten. Als Software Team konnten wir aus dem Projekt viele neue Erkenntnisse ziehen, die uns bei zukünftigen Entwicklungen und zu fällenden Entscheidungen helfen werden. Mit einigen Features hatten wir durchaus unsere Mühe und Probleme bei der Implementierung. Aber auch wir wissen, dass es nicht immer von Anfang an rund laufen kann. Wenn wir bei der Implementierung neuer Features auf Probleme stossen, möchten wir dafür stets eine elegante Lösung entwickeln, die uns, unsere Kunden und auch die User glücklich macht.

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