Virtuell an den DevDays von Trivadis

So manches muss in diesen Tagen anders organisiert werden, als wir es uns gewohnt sind. Dies gilt auch für die alljährlichen Trivadis DevDays, welche am 17. Und 18. Dezember 2020 virtuell durchgeführt wurden. Anders heisst nicht automatisch schlechter. Struktur und Inhalt können auch isoliert am heimischen PC ein gelungenes Konferenzgefühl entstehen lassen. Wir haben die DevDays «besucht».

In einem normalen Jahr läuft es mit einer mehrtägigen Konferenz etwa folgendermassen ab: Anreisen, Zimmer einchecken, Check-in an Konferenz, Orientieren, Begrüssungsapéro, Keynote besuchen, abwechselnd Workshops und Vorträge besuchen und Networking in (Kaffee-)Pausen betreiben, Check-out und Abreisen.
 
Der wesentliche Fokus beim Besuch einer Konferenz liegt dabei sicherlich auf dem Erfahrungsaustausch und der Perspektivenerweiterung.
 
Wie kann der Geist einer Konferenz nun einigermassen erhalten bleiben, wenn sie virtuell abgehalten werden muss? Schliesslich sitzt man als Teilnehmer nur noch vor einem Bildschirm und kann sich nicht mehr umsehen oder umhören, wo welche Leute ein Gespräch über ein interessantes Thema führen.
Trivadis Dev Days
Trivadis Dev Days 2020 (Quelle: www.trivadis.com)

Fast wie vor Ort

Die Organisatoren haben sich merklich Mühe gegeben, das richtige Feeling zu erzeugen. So bekamen wir im Vorfeld ein Paket mit Kaffeebohnen, um auch im Homeoffice den richtigen Duft zu verströmen und dazu die passende Tasse, um den Kaffee auch zu geniessen.

Weiter wurden die DevDays mit einer Spezialität aus Mannheim, dem Mannheimer Schlosspflaster, versüsst und natürlich wurde das richtige Notizmaterial samt Logo der Trivadis zur Verfügung gestellt.

Ebenfalls im Vorfeld haben wir die Zutrittsberechtigung per Mail erhalten. Damit konnten wir auf der Webseite der Konferenz “eintreten”, ohne am Empfang anstehen zu müssen. 😉

Screenshot des virtuellen Konferenzbereiches. (Quelle: www.trivadis.com)

Die Webseite war übersichtlich gestaltet und hat einen guten Überblick über die bevorstehenden Vorträge vermittelt. Diese sind auf drei «Stages» bzw. Räume aufgeteilt gewesen und für jeden Raum gab es jeden Tag ein Fokusthema.

Nebst den Stages wartete eine Kaffee-Ecke, um zwischen den Vorträgen zu diskutieren sowie ein Infopoint für verschiedenste technische oder organisatorische Fragen, die während der DevDays auftraten.

Technisch wurde die virtuelle Konferenz mit Adobe Connect umgesetzt. Dafür stand ein installierbares Programm bereit. Mit ein paar Einschränkungen konnte ein Meeting aber auch direkt im Browser besucht werden.

Sobald die Zeit reif für einen Vortrag oder die Kaffeepause erreicht war, wurde dies in der Übersicht auf der Webseite angezeigt und wir konnten den entsprechenden Raum betreten bzw. anklicken. Via Klick öffnete sich Adobe Connect in der installierten Anwendung oder in einem neuen Browser-Tab.

In jedem Meeting wurde gleichzeitig die Präsentation, die Referenten sowie ein Chat angezeigt. Nebst den Referenten war auch stets ein Moderator anwesend, der oder die unter anderem die Fragen aus dem Chat sofort oder am Ende des Vortrages an den Referenten stellte.

Künstliche Intelligenz zieht vermehrt in unseren Alltag ein

Die Keynotes beider Tage hatten die künstliche Intelligenz (KI) als Thema. Dabei wurde vor allem eines klar: Die KI wird mehr und mehr unser tägliches Leben unterstützen und vereinfachen. Sie wird uns auch ein beträchtliches Mass an Arbeit abnehmen. Aber sie kann auch Angst machen, weil sie nicht greifbar bzw. begreifbar ist.

Ana Campos, Co-CEO von Trivadis, verglich die KI mit kleinen Kindern: Kleine Kinder wie auch die künstliche Intelligenz müssen trainiert bzw. mit Daten gefüttert werden. Als Eltern ist man dafür verantwortlich, einem Kind beizubringen, zu welchem Objekt welcher Begriff passt. Auch für die KI müssen solche Verbindungen hergestellt werden. Dadurch werden Daten zu Informationen, Informationen zu Wissen und Wissen zu Erkenntnis. Wir müssen uns unsere KI also aufbauen und sie dabei unterstützen. Danach kann im Gegenzug die KI uns unterstützen. Aber eines wird sie nach Campos’ Meinung nie haben: Hirn, Hand und Herz.

Vieles ist mit KI schon heute möglich. Die Keynote von Martin Luckow am zweiten Tag zeigte einige Beispiele dafür. So ist Google Duplex fähig, im Auftrag des Nutzers Restaurants anzurufen und einen Termin zu vereinbaren. Dabei kann der Angerufene kaum noch heraushören, dass es sich um keine menschliche Stimme handelt.

Gemäss Studien glauben Experten, dass Maschinen uns Menschen früher oder später überflügeln werden. In den nächsten Jahren werden Maschinen in gewissen Themen mindestens gleich so gut sein wie Menschen. Z. B. können die Maschinen dann LEGO-Sets zusammenbauen oder erfolgreich Pop-Songs erzeugen.

Das ultimative Endziel in der IT für eine unterstützende KI wäre es für Martin Luckow, Benutzer in die Lage zu versetzen, einer KI eine Anforderung zu beschreiben, worauf diese selbstständig die Lösung modelliert, testet und ausführt. Meilensteine dahin sind bereits erreicht. Microsoft z. B. bietet das KI-Tool Rapid Prototyping an, welches aus einem Mockup-Bild einen HTML-Code erzeugen kann. Ein weiterer Meilenstein ist Codota, das dem Entwickler sinnvolle Codevervollständigung vorschlägt.

Die KI beschäftigt. Und sie verändert. Und ihr Einfluss wird in Zukunft zunehmen. Wir müssen uns mit ihr befassen und sie verstehen, sodass wir sie für uns sinnvoll einsetzen können. Denn die bestehende und absehbare Entwicklung zeigt, dass KI nicht nur ein Hype ist.

Software führt zu Erfolg

Neben den Einführungsthemen mit KI hatte die Konferenz auf den drei Stages natürlich ganz verschiedene Themen im Bereich IT zu bieten. Auf Stage 1 wurden an Tag 1 verschiedene Themen zur Cloud behandelt. So zeigte Thorsten Maier in seinem Vortrag «Softwarearchitektur 2.0» einen Überblick über die verschiedenen Begriffe und Technologien, die heute aktuell sind und eben der Cloud zugeordnet werden, zwischen denen fundiert zu entscheiden, aber schwierig ist. Schlussendlich geht es dann gar nicht so sehr darum, welche Technologien für ein Produkt eingesetzt werden, sondern wie man in seinen Projekten ganz generell erfolgreich ist.

Thorsten hatte dazu bewusst provokante und zur Diskussion anregende Thesen aufgestellt. Zum einen werde jedes Unternehmen zu einem Softwareunternehmen – zumindest, wenn es erfolgreich sein will. Beispiele dafür gibt es genügend: Amazon, welches ein Buchverkäufer war. Netflix, welches ein Videoverleiher war. Oder auch immer mehr etablierte Autohersteller, die immer mehr Software in ihre Gefährte einbauen (allen voran Tesla). Thorstens zweite These hatte viele Diskussionen angeregt. Um als Softwareunternehmen am Markt erfolgreich zu sein, braucht es Daten. So viele wie möglich und erlaubt. So geschieht es nämlich bei global erfolgreichen Playern wie Google, Microsoft, Apple und Co. Sie bringen früh ein Produkt auf den Markt, das noch nicht fertig ist – sprich nur die wichtigsten oder zentralsten Funktionen hat. Aber diese Produkte sind bereits fähig, Daten zu sammeln und so die Bedürfnisse der Benutzer abzuleiten und das Produkt dahingehend weiterzuentwickeln. Durch das frühzeitige auf den Marktstellen des Produktes kann dieses zielgerichteter, effizienter und erfolgreicher weiterentwickelt werden. Eingewandt wurde, dass damit die Gefahr besteht, die Benutzer durch ein unfertiges Produkt zu vergraulen und das Produkt so schon früh scheitern zu lassen.

Grüne Wiese und Big Bang

Ein Highlight am zweiten Tag war die Vorstellung eines Projektes der Trivadis, wo ein proprietärer Software-Monolith modernisiert und ins Web gebracht wurde. Plakativ haben Manuel Meyer und Thomas Gassmann den Vortrag mit «Wir prügeln den Monolithen ins Netz» betitelt. Die Erfahrungen mit diesem und ähnlichen Projekten dürften dem aber auch äusserst gerecht werden.

Es wurde erzählt, wie analoge, klassische Prozesse digitalisiert und in einen ersten Programmentwurf gegossen wurden. Danach wurde die Software stetig zu einem immer grösseren, komplexeren Haufen Code erweitert – ein Monolith. Und nun steht die Erneuerung der Software an mit Herausforderungen wie mehr Performanz, Anpassbarkeit, Intelligenz, Interaktionsmöglichkeiten, Sicherheit, schnelle und funktionale Aktualisierungen und Plattformunabhängigkeit. Das neue Programm soll zudem gleich ins Web, damit es nicht mehr installiert werden muss und von überall her abrufbar ist.

Wenn man nun eine jahrzehntealte Software ersetzen möchte, kommt schnell der Gedanke, auf der «grünen Wiese» anzufangen und die gesamte Software neuzuschreiben. Und dann soll vom einen auf den nächsten Tag abgelöst werden. Wenn man aber Grössen der Softwareentwicklung fragt, so sind die «grüne Wiese» und der «Big Bang» zwei der grössten Fehler, die man machen kann. Denn damit lässt man die Benutzer ausser Acht, die einerseits alle eine andere Vorstellung haben, wie das «Neue» aussehen soll und sich die bestehenden, wohl auch gut laufenden Prozesse gewohnt sind.

Manuel und Thomas zeigten, wie ihre Lösung ausgesehen hat und wie sie die grüne Wiese, den Big Bang und die Überforderung des Benutzers verhindern konnten. Dabei wurde eine Lösung umgesetzt, welche zwischen der Browser-Ansicht und dem alten Monolithen hin- und her wechseln konnte. Natürlich lief trotzdem nicht alles reibungslos und so gab es auch noch weitere Erkenntnisse zu berichten.

Die Präsentation war äusserst unterhaltsam und die beiden Referenten konnten trotz einer hohen Kadenz vieles verständlich erklären. Anzumerken gilt es, dass einige der vorgetragenen Erfahrungen auch auf uns zutrafen, als wir unseren Monolithen modernisierten.

Fazit

Die DevDays hatten viele spannende Vorträge, die zum Nachdenken anregten und vielleicht sogar zukünftige Entscheide beeinflussen können. Wenn nicht, dann wurde der eigene Horizont trotzdem erweitert. Die Themenvielfalt auf jeden Fall war gut und auch gut aufeinander abgestimmt.

Ob nun eine virtuelle Konferenz einer physischen das Wasser reichen kann, sei dahingestellt. Dank der guten Organisation, der Art der Präsentation und der lehrreichen und spannenden Vorträge kam trotz allem Konferenz-Feeling auf. Wir behalten die virtuellen Trivadis DevDays in guter Erinnerung.

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